Was die Lackschicht eigentlich ist
Der Lack auf Ihrem Auto besteht aus mehreren Schichten: Grundierung, Füller, Basislack und Klarlack. Von außen sichtbar und für die Politur relevant ist fast immer nur der Klarlack. Er schützt die Farbe darunter und gibt dem Lack seinen Glanz.
Diese Klarlackschicht ist dünn. Je nach Hersteller und Karosserieteil liegt sie oft im Bereich von 80 bis 150 Mikrometern, das ist ein grober Erfahrungswert aus der Werkstattpraxis, keine feste Norm. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 70 Mikrometer dick. Bei einer Politur trägt man einen Teil dieser Schicht ab, meist wenige Mikrometer, um Kratzer und Hologramme aus dem Lack zu entfernen. Das klingt wenig, ist aber bei so einer dünnen Schicht durchaus relevant.
Warum wir vor jeder Politur messen
Mit einem Schichtdickenmessgerät sehen wir, wie viel Lack an einer Stelle tatsächlich vorhanden ist. Ohne diese Messung würden wir im Blindflug polieren. Das kann an zwei Stellen schiefgehen:
- Ist der Lack an einer Stelle schon dünn, etwa durch eine frühere Politur oder durch Verwitterung, kann eine weitere Politur bis in den Basislack oder sogar bis zur Grundierung gehen. Dann sieht man Flecken oder Durchschliffe, die sich nicht mehr reparieren lassen, nur noch neu lackieren.
- Ist an einer Stelle nachlackiert worden, etwa nach einer Reparatur, kann die Schicht dort deutlich dicker sein als im Originallack. Das beeinflusst, wie aggressiv man dort arbeiten darf, ohne Hitze oder Druckstellen zu riskieren.
Die Messung zeigt uns also, wo wir vorsichtig sein müssen und wo mehr Spielraum ist. Ohne diese Information gibt es keine seriöse Lackpolitur, egal wie gut die Maschine oder das Poliermittel ist.
Was die Messung über die Lackhistorie verrät
Ein Schichtdickenmessgerät zeigt nicht nur, ob poliert werden kann. Es zeigt auch Dinge, die man mit bloßem Auge oft nicht sieht. Schwankt die Schichtdicke an einem Kotflügel stark gegenüber der Tür daneben, deutet das auf eine Reparatur oder einen Unfall hin, auch wenn der Lackton perfekt getroffen wurde.
Das ist nicht nur für die Politur interessant. Bei einem Verkauf will man meist wissen, ob am Auto schon einmal etwas gemacht wurde. Wir sagen das offen, wenn uns bei der Messung etwas auffällt. Das ist keine Lackbewertung wie beim Gutachter, aber ein ehrlicher Hinweis, den wir nicht verschweigen.
Wann wir von einer Politur abraten
Es gibt Fälle, in denen wir nach der Messung sagen: Hier lassen wir die Finger davon, zumindest bei einer klassischen Politur mit Abtrag. Das betrifft vor allem Fahrzeuge mit sehr dünnem Lack, häufig ältere Autos, die schon mehrfach poliert wurden, oder Fahrzeuge mit werksseitig knapper Lackierung.
In solchen Fällen gibt es Alternativen, die weniger oder gar keinen Lack abtragen:
- Eine schonende Reinigungspolitur statt einer kratzerentfernenden Politur
- Eine Keramikversiegelung auf den vorhandenen Lack, um ihn zu schützen, ohne weiter abzutragen
- Einfach eine gründliche Handwäsche, wenn der Lack an sich in Ordnung ist und nur sauber werden soll
Wer uns vorher sagt, der Lack solle unbedingt spiegeln, auch wenn die Schicht schon dünn ist, dem sagen wir ehrlich: Das geht dann nicht ohne Risiko. Wir polieren nicht gegen eine Messung, die uns zur Vorsicht rät.
Was das für Sie als Kunde bedeutet
Sie müssen die Schichtdicke Ihres Lacks nicht selbst kennen. Das Messgerät ist bei uns Teil jeder Politur, nicht nur eine Option. Sie zahlen dafür nichts extra, es gehört zur Vorbereitung dazu.
Was Sie aber wissen sollten: Wenn wir Ihnen nach der Messung sagen, dass eine Politur an einer Stelle nicht sinnvoll ist, geht es nicht darum, Ihnen etwas auszureden. Es geht darum, dass der Lack danach noch da ist, wenn Sie ihn das nächste Mal pflegen lassen wollen. Details zum Ablauf und was bei uns dazugehört, finden Sie auf der Seite zur Fahrzeugaufbereitung.